Stadt Ludwigslust

Ortsteile

Glaisin (4)
© Stadt Ludwigslust

In den Ortsteilen erleben Sie die sog. „Griese Gegend“ von ihrer schönsten Seite. Anheimelnde Backstein- und Fachwerkhäuser bestimmen auch heute noch das Bild der Dörfer Westen Mecklenburgs. Typisch und ein beliebtes Fotomotiv der Urlauber sind auch die Klumphäuser, die Sie hier überall finden, jene niederdeutschen Hallenhäuser, deren Fachwerk mit braunschwarzen Raseneisensteinen ausgefüllt ist.
Ausgedehnte Kiefernwälder, sanfte Hügel, großflächige Wiesen und Äcker, träge dahinfließende Gräben und kleine Moore prägen diesen Landstrich. War es die graue Farbe des vorherrschenden Sandbodens oder die ungefärbten Leinenkleider der Tagelöhner, die dem Land ihren Namen gaben? Endgültig wird sich die Frage wohl nicht mehr beantworten lassen. Eines allerdings ist die Griese Gegend mit Sicherheit nicht: „grau“ wie das plattdeutsche Wort „gries“ in der Übersetzung bedeutet.

Ludwigslust hat folgende Ortsteile im Sinne der Hauptsatzung: Glaisin, Kummer, Hornkaten, Niendorf - Weselsdorf

In das Stadtgebiet eingegliederte Gemeinden: Techentin

Die Gemeinde Techentin wurde 1972 in das Stadtgebiet von Ludwigslust eingemeindet. Techentin ist kein eigener Ortsteil, hat sich aber über die Jahre hinweg eine eigene Identität bewahrt. Fragt man einen Ludwigsluster, der im Gebiet des ehemaligen Dorfes Techentin zu Hause ist, wo er lebt, dann antwortet er auch heute noch: "Ich wohne in Techentin".

Hornkaten

Hornkaten

  • Einwohner: 144
  • Fläche: 417,41 ha
  • Eingemeindung: Juli 1973
  • Lage: ca. 6 km südwestlich von Ludwigslust

Der Ort Hornkaten ist ein Ausbau der DörferTechentin und Göhlen. Ursprung des Dorfes soll eine am Waldstück gelegene als „Waldkasten“ oder „Katen“ bezeichnete Hütte gewesen sein. Dieser Katen mag dem herzoglichen Hof als Unterschlupf gedient haben.

Die Techentiner Feldmark grenzt im Süd-Westen an den Ort Hornkaten. Im sog. Hornwald entstanden Katen der Techentiner Bauern deren Viehweiden und Wiesen bis dorthin reichten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ersparten sich die Bauern die langen Zufahrtswege und nächtigten im Hornwald. Die dort erbauten Anwesen erhielten später die zweitgeborenen Söhne als Erbteil. Der Hornwald und die Bauernkaten gaben dem Ort dann seinen Ortsnamen „Hornkaten“. Hornkaten war bis etwa 1842 verwaltungsmäßig mit dem westlich liegenden Ort Göhlen verbunden und wird erst danach als selbstständige Gemeinde aufgeführt.

Im Jahre 1845 wurden für den Ort ausgewiesen: 23 Büdnerstellen, eine Schule und ein Krug. Auch von einer „Büdnerkolonie“ ist die Rede. Am 21. Juni 1877 wurde Hornkaten von einer Feuersbrunst heimgesucht, bei der 13 Menschen ums Leben kamen. Bis 1890 hatte sich der Ort um 10 weitere Häuslereien vergrößert. Die 1939 vorhandenen 211 Einwohner verteilten sich auf 4 Erbhöfe, 17 Büdnereien und 22 Häuslereien.

Niendorf / Weselsdorf

Niendorf / Weselsdorf

  • Einwohner: 45 (Niendorf), 133 (Weselsdorf)
  • Fläche: 556,68 ha
  • Eingemeindung: 01.04.1969
  • Lage: ca. 5,5 km nordwestlich von Ludwigslust

Niendorf

Der Ort wird 1576 erstmals in der Amtsbeschreibung von Neustadt – Glewe als „Newdorff“ erwähnt. Obwohl in den Unterlagen der umliegenden Kirchspiele nicht aufgeführt, dürfte das Dorf durch Umsetzung von sechs Vollhufnergehöften auf dem nördlichen Teil der Gemeinde Klenow um die Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden sein. Der Ort gilt als „Sackplatzdorf“. Das ist ein ovaler großer Platz, um den sich die Höfe gruppierten, die nur von einer Seite durch einen Weg zugänglich sind und keinen gemeinsamen Mittelpunkt haben.

Verzeichnet sind:

1837 – 6 Halbhufner, Schule, Armenhaus 1855 – 6 Drittelhufner, 2 Häusler, Schule 1890 – 6 Erbpächter, 3 Häusler, Schule

Weselsdorf

Wurde im Jahre 1832 mit 12 Büdnerstellen auf der Niendorfer Feldmark gegründet. Ist in einem Niendorfer Protokoll von 1859 als „Büdnerkolonie“ bezeichnet. Der Ortsname geht vermutlich auf den bereits 1592 erwähnten Flurnamen „Wesel Heide“ zurück.

Verzeichnet sind:

1838 – 12 Büdner 1855 – 12 Büdner, 3 Häusler 1875 – 12 Büdner, 7 Häusler 1890 – 12 Büdner, 13 Häusler

Kummer und Mathäus

Ortsteil Kummer

  • Einwohner: ca. 528
  • Fläche: 1509 ha
  • Eingemeindung: 01.01.2005
  • Lage: ca. 7 km westlich von Ludwigslust, direkt an der Bundesstraße B5

Mäthus

  • Einwohner: 15
  • Lage: 2 km von Kummer

Kummer Der Sage nach stand vor mehr als 600 Jahren in der Nähe von Kummer eine Burg, in der die Belagerer der Burg Glaisin ein halbes Jahr hausten. Aus Ärger darüber, dass der Feldherr die Burg Glaisin nicht erobern konnte, nannte er den Ort „Kummer“. Wann die Burg Kummer erbaut und wieder zerstört wurde, konnte jedoch noch nicht festgestellt werden. Urkundlich erwähnt wurde Kummer erstmals im Jahre 1406. Der Name des Ortes Kummer kann auch von dem slawischen Wort „Komar“ abgeleitet werden, Komar bedeutet Mücke. Kummer wäre dann „Ort der Mücken“.

Prägender Faktor in der Griesen Gegend ist vorwiegend die Land- und Forstwirtschaft. Die Bewirtschaftung der Ackerflächen hinterließ eine unverwechselbare Dorfstruktur und eine reizvolle Kulturlandschaft.

Aber auch als Industriestandort hat sich Kummer in den vergangenen 100 Jahren etabliert. Überwiegend kleine und mittlere Unternehmen prägen die wirtschaftliche Seite des Ortes. Es entstanden Betriebe wie die Ziegelei, die Sägerei und die Molkerei. Etabliert haben sich Dienstleister in den Bereichen der Gastronomie, Landwirtschaft, Vermessung und Metallbau. 81 Bürger aus der Gemeinde arbeiten in den im Dorf ansässigen Betrieben, die insgesamt 118 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen.

Kummer verfügt über eine Grundschule und eine Kindertagesstätte. Es gibt hier eine Freiwillige Feuerwehr und den Sportverein LSV Germania 04, der weit über die Landesgrenzen bekannt ist. Eine Gaststätte bietet den Einwohnern und Gästen ihre Dienste an.Ortstypisch sind gut gepflegte Häuser im Ortskern und die sich daran gruppierenden Büdnereien und Häuslereien. In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl der Häuser im Dorf saniert und es entstanden neue Wohngebiete. Einen wesentlichen Schwerpunkt bei der Neugestaltung des Ortes spielt eine ausgewogene Begrünung: neu angelegte Biotope, ein Trockenrasengebiet, eine Streuobstwiese und verschiedene Anpflanzungen im Ortsgebiet.

Traditionelle Höhepunkte wie die größte Lauf- und Wanderveranstaltung in der Griesen Gegend, der „Franz-Schwarz-Gedenklauf“, das Oster- und Oktoberfeuer, das Dorffest, Sportveranstaltungen, Fahrten der Volkssolidarität sowie das Sommerfest in der Kita tragen dazu bei, das Leben im Dorf immer attraktiver zu machen. Geplant und organisiert werden diese Feste von den Vereinen und Einwohnern des Dorfes.

Die Zukunft des Dorfes wird nicht nur darin liegen, als Schlafstätte zu dienen. Kummer bietet die Möglichkeit, dort zu leben, zu arbeiten und sich wohl zu fühlen.

Glaisin

  • Einwohner: ca. 340
  • Fläche in ha: 1460
  • Lage: ca. 8 km südwestlich von Ludwigslust
  • Eingemeindung: 01.01.2005
  • eigenes Wappen

Die Gemeinde Glaisin wurde 1282 erstmals urkundlich erwähnt und ist aus einem ursprünglich wendischen Hufendorf hervorgegangen.

An den Ritter Hermann Riebe und seine Burg, die eine der mächtigsten Raubritterburgen Mecklenburg-Schwerins gewesen sein soll, erinnern heute die noch zu erkennende Spuren des Burggrabens. 1298 eroberte und zerstörte ein Heer Heinrich des Löwen nach halbjähriger Belagerung die „Riebeburg“.

Glaisin konnte seine dörfliche Struktur und Bausubstanz weitgehend bewahren. Die Gebäude sind geprägt durch bäuerliche Baukultur, die meist in Backstein- und Raseneisensteinbauweise ausgeführt wurde.

Hervorzuheben sind hierbei insbesondere die gut erhaltenen 3-Seiten-Höfe im Ortskern. Mit Beginn der Dorferneuerung 1992 bot sich für die Gemeinde die Grundlage für eine fachlich ansprechende Umsetzung dorfgerechter gestalterischer Maßnahmen.

Glaisin wurde für seine Leistungen im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft" 1998 auf Landesebene mit dem 1. Platz und auf Bundesebene mit einer der begehrten Goldplaketten ausgezeichnet. Glaisin darf sich damit zu den schönsten Dörfern Deutschlands zählen.

Zur Weltausstellung EXPO 2000 hatte Glaisin das Land Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen des Bund-Länder-Gemeinschaftsprojektes "Dorf 2000 - Beispiele nachhaltiger Landentwicklung" mit dem Projekt "Frauen gestalten ein Dorf" vertreten.

Den baulichen Dorfmittelpunkt bildet der denkmalgerechte, handwerklich renovierte Komplex „Alter Forsthof“ mit Viehhaus, Scheune, Backhaus und Ziehbrunnen. Das 200 Jahre alte Forsthaus ist das Herz- und Schmuckstück des Forsthof-Ensembles. Es wurde mit Hilfe von EU- und Landesförderung aufwändig restauriert und beherbergt heute das Holunder-Café und den Hochzeitshof Glaisin.

Mehrere soziale und kulturelle Einrichtungen der Gemeinde halten zahlreiche Angebote bereit. So bietet das "Haus der vier Jahreszeiten" als Begegnungsstätte für Jung und Alt verschiedene Möglichkeiten einer individuellen Freizeitgestaltung. Spinnen, Basteln, Seidenmalerei, aber auch das Erlernen der plattdeutschen Sprache stehen hier auf dem Programm. Ebenso befindet sich der Sitz des Kreislandfrauenvereins in diesem Haus.

Das besondere Engagement der Glaisiner gilt der Jugend. Ein Jugendtreff steht allen Kindern und Jugendlichen offen.

Glaisin ist ein Dorf mit reger Vereinstätigkeit. Der Sport- und Schützenverein lädt jährlich zum Schützenfest ein und ist Organisator von Fußballpokalturnieren. Das kulturelle Leben der Gemeinde wird bereichert durch den hier ansässigen Kreislandfrauen-Verein sowie dem Chor der sangesfreudigen Landfrauen und die Veranstaltungen der kirchlichen Frauenkreise. Die Freiwillige Feuerwehr Glaisins ist nicht nur Garant für einen sicheren Brandschutz im Ort, die Kameraden beteiligen sich aktiv an Leistungsvergleichen und bei der Durchführung von Dorffesten.

Kreativität zeigt das Dorf auf seinem Weg zum Dorftourismus und bietet beste Voraussetzungen für Urlaub im ländlichen Raum. Mehrere Ferienwohnungen und eine Pension ermöglichen den Gästen einen angenehmen Aufenthalt in Glaisin. Das Umland lädt ein zu ausgedehnten Fuß- und Radwanderungen durch unberührte Natur. Interessante Reitwege stehen zur Verfügung.

Wirtschaftlich ist das Dorf vor allem durch die Landwirtschaft geprägt, es gibt Dienstleister in den Bereichen Physiotherapie, Handwerk, Gastronomie und Bau.

Sehenswürdigkeiten

  • denkmalgeschütztes Forsthofensemble Glaisin mit eingeschossigem Fachwerkbau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und bemerkenswertem Backhaus aus Raseneisenstein
  • Johannes –Gillhoff - Stuv
  • Wall einer ehemaligen Raubritterburg
  • gut erhaltene 3-Seiten-Höfe im Dorfkern
  • Hügelgrab aus der Bronzezeit in Glaisin
  • Gedenkstein für die Gefallenen der beiden Weltkriege

Das Wappen der Gemeinde Glaisin

Die Gemeinde erhielt die Genehmigung, das von dem Heraldiker Manfred Sturzenbecher aus Glaisin entworfenen Wappen zu führen.

Beschreibung: "Das Dorfwappen enthält ein grünes Schildhaupt in einem silbernen Schild, darin zwei schräggekreuzte silberne Schreibfedern, unten eine rote Burg, darunter zwei an den Stielen schräggekreuzte grüne Eichenblätter.“

Die Federn als altes Schreibwerkzeug stehen für den 1861 in Glaisin geborenen Lehrer, Schriftsteller und Volkskundler Johannes Gillhoff. Die Burg des Ritters Hermann Riebe in Glaisin aus dem 13. Jahrhundert ist in dem Wappenschild als stilisierte Burg dargestellt. Die Eichenblätter weisen auf den reichen Bestand alter Eichen in der Gemeinde hin, von denen einige als Naturdenkmal ausgewiesen sind. Die Wappenfarben Grün-Silber-Rot erinnern an die frühere Zeit der Herrschaft durch die Grafen von Dannenberg".

Mit der Eingemeindung in das Stadtgebiet Ludwigslust verliert das Wappen der Gemeinde Glaisin seinen Status als hoheitliches Symbol der Gemeinde.

Gillhoff- Dorf Glaisin

"Gillhoff-Gesellschaft Glaisin" Vorsitzender: Hartmut Brun Lindenstraße 16 (Forsthof) 19288 Glaisin 038754/20086

Johannes – Gillhoff - Stuv 19288 Glaisin , Lindenstraße 6 038754 / 20550 Öffnungszeiten nach Vereinbarung über Gaststätte "Alter Forsthof"

Glaisin ist Sitz der Johannes-Gillhoff-Gesellschaft e.V., die sich der Pflege und Verbreitung des Schaffens und Erbes des 1861 in Glaisin geborenen niederdeutschen Lehrers, Volkskünstlers und Schriftstellers Johannes Gillhoff verschrieben hat. Die Gesellschaft arbeitet an der Aufbereitung der Auswanderungsgeschichte von Mecklenburgern nach Amerika, unterhält Kontakte zu Vereinen in den USA und zu den Nachfahren der Auswanderer. Die Gillhoff-Gesellschaft veranstaltet regelmäßige Lesungen, Vorträge, Fachtagungen und Museumsführung.

Im Rahmen der Gillhoff-Tage findet seit 1993 die jährliche Verleihung des 1980 in Hamburg gestifteten Gillhoff-Preises in Glaisin statt.

Das Leben und Schaffen des Autors des Briefromans „JürnjakobSwehn, der Amerikafahrer“ wird in der Johannes – Gillhoff – Stuv, einer ständigen Ausstellung in der ehemaligen Dorfschule, dokumentiert. Ein Gedenkstein erinnert an Johannes Gillhoff.

Literaturempfehlung - Johann Gillhoff´s bekanntestes Werk: JürnjakobSwehn, der Amerikafahrer

Gillhoff-Gedenkstein vor der Gillhoff-Stuv

Das Buch erschien erstmalig 1917 und wurde zum Bestseller der 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Johannes Gillhoff veröffentlichte Briefe eines 1868 nach Amerika ausgewanderten Tagelöhners aus Mecklenburg, namens JürnjakobSwehn, als Briefroman. Swehn schrieb diese Briefe an Gillhoffs Vater, der der ehemalige Lehrer von ihm war.

Die Briefe handeln u. a. von der Überfahrt nach und der Ankunft in Amerika, der ersten harten Zeit als "farmhand", der Niederlassung im Bundesstaat Iowa, wo er eine eigene Familie und Farm gründete, Land erwirbt und es zu Wohlstand und Ansehen bringt. Es wird außerdem von der gemeinsam errichteten deutschen Schule berichtet und von einer Kirche ohne Pastoren: die Darstellung einer Laienpredigtvergißt man nicht so leicht.

Die Briefe sind spontan und fast immer zum Schmunzeln geschrieben, gespickt mit Sprichwörtern, Redensarten und Bibelsprüchen, die die einzelnen Ereignisse kommentieren; manche Passagen sind auch in Plattdeutsch verfasst.

Als JürnjakobSwehn sich zur Ruhe setzen kann, fängt gleichzeitig auch sein Heimweh an, das nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges sogar in Patriotismus ausartet. In dieser Zeit schreibt er die Briefe an seinen ehemaligen Lehrer in der Heimat Mecklenburg. Sie sind lesenswert, weil man nicht nur erheitert wird, sondern auch ein Stück Geschichte vermittelt bekommt.

Gillhoff-Stuv

Auf den Spuren von Johannes Gillhoff und den Auswanderern der Griesen Gegend Eine Ausstellung der Johannes Gillhoff Gesellschaft e.V. und der Genealogischen Gesellschaft Glaisin e.V.

"Hier stehe ich mit meinen Füßen auf meinem Boden und tagelöhnere nicht beim Bauern. Das Freisein ist schon ein paar Eimer Schweiß wert ..."

Die Gillhoff-Stuv wurde 1992 eröffnet und 2010 nach einem neuen Museumskonzept überarbeitet.

Johannes - Gillhoff - Stuv Ortsteil Glaisin Lindenstr. 6 19288 Ludwigslust Kontakt über Jürgen Behrends Tel. 038754 / 20004 Öffnungszeiten und Führungen nach Vereinbarung Weitere Informationen über: Ludwigslust - Information Schloßstr. 36 19288 Ludwigslust Tel. 03874 / 526252 E-Mail: info@stadtludwigslust.de

Das Projekt wurde finanziert mit Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums und mit Mitteln der Stadt Ludwigslust.

Dokumentation des Lebens und Schaffens von Johannes Gillhoff

Die Johannes-Gillhoff-Stuv dokumentiert das Leben und Schaffen des niederdeutschen Schriftstellers Johannes Gillhoff, der am 24. Mai 1861 in Glaisin, nahe Ludwigslust, geboren wurde. Sie befindet sich im ehemaligen Dorfschulhaus des Ortes, in dem Johannes Gillhoff in seiner Kindheit und Jugend lebte. Die Johannes Gillhoff Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische Lebenswerk des Schriftstellers zu pflegen und zu verbreiten. Sein umfangreiches Werk ist fester Bestandteil des Kulturerbes im norddeutschen Raum. Mit dem Buch vom Amerikafahrer, das der deutschen Nationalliteratur nahe steht, erzielte er Wirkung über das deutsche Sprachgebiet hinaus. Johannes Gillhoff ist nach Fritz Reuter der zweite niederdeutsche Autor Mecklenburgs, dessen Werk im fremdsprachigen Raum Verbreitung fand.

Seine Bücher und Aufsätze sind wichtige kulturhistorische und literarische Dokumente. Es erschienen:

1889 »Mecklenburgische Idiotismen«

1892 »Das mecklenburgische Volksrätsel«

ab 1903 literaturwissenschaftliche Abhandlungen

1905 »Bilder aus dem Dorfleben«

1917 »JürnjakobSwehn der Amerikafahrer«

1925-1930 »Mecklenburgische Monatshefte«

 

In der Ausstellung erwartet Sie ein umfassender Überblick über den Lebensweg des Dichters, über sein vielfältiges und erfolgreiches Wirken als Lehrer, Herausgeber, Redakteur und Rezensent. Durch umfangreiches Bild- und Schriftmaterial erhalten Sie viele Kenntnisse über seine Kindheit und Jugend in Glaisin, Sie erfahren Einzelheiten über die Familie Gillhoff. Im Mittelpunkt der Ausstellung aber steht sein literarisches Schaffen, dem er sich in späten Jahren erfolgreich zuwandte.

»JürnjakobSwehn, der Sohn eines Tagelöhners aus Mecklenburg, wanderte 1868 nach Amerika aus. Er fand Arbeit auf einer Farm in Iowa, er heiratete, wurde Pächter eines kleinen Anwesens und erreichte am Ende sein großes Ziel, ein eigenes Stück Land.« Auszug aus »JürnjakobSwehn der Amerikafahrer«

1917 veröffentlichte Gillhoff seinen Briefroman »JürnjakobSwehn der Amerikafahrer«. Dieses Buch wurde in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Bestseller und fand auch im fremdsprachigen Raum Verbreitung. Authentische Briefe des Tagelöhners Carl Wiedow bilden die Grundlage für die Handlung. Dieser lesenswerte Roman stellt ein wirklich beeindruckendes Zeitzeugnis dar, in dem der mecklenburgische Auswanderer die entbehrungsreiche und gefahrenvolle Überfahrt nach Amerika schildert, die Gründe für das Verlassen seiner Heimat darlegt und wie er es zu Wohlstand und Ansehen bringt.

Die Auswandererbewegung in der Griesen Gegend

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bildet die Auswandererbewegung in der Griesen Gegend. Mecklenburg war das Land, das im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl zwischen 1815 und 1914 den höchsten Prozentsatz an Auswanderern stellte. Die politischen Hintergründe und Ursachen dieser Bewegung und deren Kettenreaktion werden Ihnen hier ausführlich geschildert. Sie erfahren auch, was die Menschen in der Neuen Welt erwartete und ob sie ihre Hoffnungen und Träume verwirklichen konnten. Die Informationen über Amerika waren nur ungenau und unvollständig, häufig durch Mundpropaganda verbreitet worden, so dass die Auswanderer sich vielfach ins Ungewisse auf den Weg machten. Was sie dabei erlebten und wie es ihnen dabei erging, können Sie dem entsprechenden Informationsmaterial entnehmen oder im Roman vom Amerikafahrer nachlesen.

Die Genealogische Gesellschaft Glaisin e.V. betreibt Nachforschungen über ehemalige Auswanderer aus Glaisin und der Griesen Gegend nach Amerika. Zahlreiche Schicksale konnten aufgedeckt und Begegnungen mit Nachkommen organisiert werden. In der Gillhoff-Stuv liegen Auswandererlisten zum Nachlesen und Recherchieren aus.

Techentin

  • Einwohner:1.844
  • Fläche: 1253,32 ha
  • Eingemeindung: 01.10.1972 mit damals 1.080 Einwohnern
  • Lage: westlich von Ludwigslust, grenzt direkt an das Stadtgebiet von Ludwigslust
  • Rechtsstatus: Bestandteil des Stadtgebietes Ludwigslust, kein Ortsteil im Sinne der Hauptsatzung

Techentin heute wird von den Einwohner besonders wegen der Möglichkeiten der individuellen Wohnbebauung geschätzt und der Nähe zur Stadt Ludwigslust. Techentin bietet seinen Bewohnern Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf, eine Grundschule sowie die Möglichkeit der Kinderbetreuung in der Kindereinrichtung.

Eine bedeutende Entwicklung nahm Techentin nach 1990 durch die Erschließung zum Gewerbestandort. Eine Vielzahl von Unternehmen hat sich hier neu angesiedelt bzw. ihren alten Standort im Ludwigsluster Stadtgebiet aufgegeben und im Techentiner Gewerbegebiet neu errichtet.

Bekannt ist Techentin vor allem oder besser besonders wegen der Aktivitäten des 1958 erstmalig agierenden TechentinerCarnevals. Jedes Jahr zur Faschingszeit zieht es viele Zuschauer nach Techentin, um am närrischen Treiben teil zu haben.

Aus der Geschichte von Techentin

Der Name des Dorfes soll mit dem altslawischen Wort „teche“ zusammenhängen, was soviel heißt wie „Trost“. Techentin würde also „Ort des Trostes“ bedeuten.

Seinem Namen nach ist Techentin eine alte wendische Gründung. Man glaubte diese Vermutung bestätigt durch die Dorflage, die die Form eines Rundlings hatte.Die Wenden sind um das Jahr 500 nach der Völkerwanderung in das Gebiet zwischen Elbe und Oder eingedrungen, die Germanen zwischen 1100 und 1300 nach Mecklenburg zurück gesiedelt. Besonders aber im 16. Jahrhundert treten in Techentin jedoch auch besonders slawische Familiennamen hervor. Somit ist die Frage nach dem Ursprung des Dorfes bisher nicht exakt geklärt. Techentin bei Ludwigslust wird seit 1525 urkundlich erwähnt.

Aus den Schicksalstagen des Dorfes Techentin treten besonders die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges hervor. Dieser Krieg hat das Gebiet seit 1627 entsetzlich verheert. Die Dörfer Niendorf, Laasch und Techentin standen am Ende des Jahres 1637 verödet und verlassen. Techentin lag sogar zur Hälfte in Asche. Ein Teil der Bewohner hatte sich nach Hamburg, Lübeck und Holstein geflüchtet, der größte Teil war aber vor Hunger und Seuchen umgekommen. Nur ein kleiner Teil der Bewohner hatte bei ewiger Angst, Sorge und Not in verfallenen Häusern oder im Walde sich kümmerlich am Leben erhalten. Nicht einmal das gerettete Vieh verblieb den Menschen. Da es im Freien gehalten werden musste, wurde es meist von herumstreifenden Wölfen zerrissen und geraubt.

In Techentin wurde 1835 die Schule erbaut. Um das Jahr 1900 erhielt dieses Schulhaus einen Anbau mit einem Klassenraum. Etwa 1855 entstand die heutige Schule mit einem Strohdach.

Verzeichnet sind: 1817 – 22 Halbhufner, 25 Büdner, Schule 1837 – 22 Halbhufner, 38 Büdner, 2 Schulen, Schmiede 1930 – 22 Erbhöfe, 42 Büdner, 82 Häusler, 2 Schulen, Schmiede, 2 Krüge 1939 – 20 Erbhöfe, 40 Büdner, 105 Häusler, 2 Schulen, Schmiede, 2 Krüge, Wind- und Motormühle

Die Bevölkerung setzte sich vor 1945 aus ungefähr 20 Bauern, zahlreichen Büdnern und Häuslern, Handwerkern und Arbeitern zusammen. Handwerker waren vorwiegend Tischler, Stellmacher, Schmiede, Schlosser, Maurer, Bäcker und Friseure. Die Arbeitsplätze der Arbeiter lagen vorwiegend in Ludwigslust in der Fleischwarenfabrik und in Neustadt-Glewe im Lederwerk oder auf dem Flugplatz. Nach 1950 wurde eine LPG gegründet. Die LPG „Einigkeit“ schloss sich zum Typ 3 zusammen und bewirtschaftete etwa 38 % der Landwirtschaftlichen Nutzfläche. Einige Jahre später schlossen sich die übrigen Bauern zur LPG Typ 1 zusammenLPG „Wiesengrund“.

Schon 1936 beantragt die Landesplanungsstelle beim Staatministerium in Schwerin die Eingemeindung Techentins in die Stadt Ludwigslust. Trotz Einwilligung der Ludwigsluster Stadtväter lehnt der damalige Landrat den Antrag ab. Diese erfolgte erst 36 Jahre später am 1. Oktober 1972.