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04.08.2021

Vom Zettelkasten zum digitalen Wossidlo-Archiv

Dr. phil. Christoph Schmitt, Gillhoff-Preisträger 2021

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Dr. Christoph Schmitt (links) nimmt die Ehrung entgegen © Stadt Ludwigslust, SW

Am 31. Juli hat die Gillhoff-Gesellschaft zum Gillhoff-Tag 2021 nach Ludwigslust eingeladen. Es ist schon Tradition, dass dieser Tag am Grab des Glaisiner Lehrers und Schriftstellers Johannes Gillhoff beginnt. Der Hagenower Volkskundler Kuno Karls fand die passenden Worte für ein ehrendes Gedenken. Er erzählte eine berührende Geschichte, die Gillhoff selbst nicht gehört und aufgeschrieben hat. Eine Auswanderergeschichte, die bis in die heutige Zeit reicht und die Karls bei seinen eigenen Recherchen gefunden hat.

Der Lichthof des Rathauses bot anschließend den passenden Rahmen zur Verleihung des diesjährigen Gillhoff-Preises, eine Ehrung, die die Johannes-Gillhoff-Gesellschaft seit vielen Jahren an Menschen vergibt, die sich im Bereich der mecklenburgischen und niederdeutschen Literatur, Literaturwissenschaft und Publizistik besondere Verdienste erworben haben.

In diesem Jahr ging der Preis an den Volkskundler und Leiter der Wossidlo-Forschungsstelle an der Uni Rostock, Dr. phil Christoph Schmitt. Wolfgang Mahnke, 2018 selbst Preisträger, würdigte in seiner Laudatio das Wirken von Dr. Christoph Schmitt.

Der 1956 in Hessen geborene Schmitt studierte an der der Universität Marburg Europäische Ethnologie und Kulturforschung, Kunstgeschichte und Neuere Literatur. 1992 promovierte er im Fach Europäische Ethnologie zur volkskundlich-kulturwissenschaftlicher Medienforschung. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Lehrbeauftragter am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg begann er 1996 seine Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wossidlo-Archiv. In gleichen Jahr begann er seine Lehrtätigkeit an der Uni Rostock zu volkskundlich-kulturwissenschaftlichen Themen und 1999 wurde er auch an dieser Einrichtung Leiter der Wossidlo-Forschungsstelle.

Richard Wossidlo gilt als der Begründer der mecklenburgischen Volkskunde. Das Wossidlo-Archiv ist eine europäische volkskundliche Mustersammlung. Sammeln und für spätere Generationen aufbewahren – diesem Anspruch widmete sich Dr. Schmitt mit ganzer Seele und Leidenschaft. Insgesamt birgt das Wossidlo-Archiv etwa fünf Millionen, zumeist ortskodierte Belege. Es war Dr. Schmitts Ansporn, vor allem den Wossidlo „Zettelkasten“ für die Zukunft zu sichern. Nach einer umfangreichen Digitalisierung des Zettelkastens ging dieser im Jahr 2012 online und steht so der Öffentlichkeit zur Forschung zur Verfügung.

Für Dr. Christoph Schmitt ist diese Auszeichnung vor allem Ansporn. „Wenn es um die Leidenschaft und das Durchhaltevermögen Gillhoffs geht, dann möchte ich gern an diese Leidenschaft anknüpfen,“ so Dr. Schmitt in seinen Dankesworten. Und er ist sich sicher, dass „… unsere Publikation in den Archiven die Zeit überdauern werden. Das digitale Wossidlo-Archiv aber wird weit um die Welt reisen.“

Das digitale Wossidlo-Archiv ist erreichbar unter: www.wossidia.de