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01.12.2021

35 Jahre Muscatine Sister Cities: Video-Konferenz zum Jubiläum

„Hello from Muscatine – Hallo aus Ludwigslust“

Videokonferenz Muscatine1
Per Mausklick mit Freunden verbunden © Stadt Ludwigslust

Wahrscheinlich hätten die Einwohner Muscatines ein großes Fest gefeiert, hätten Gäste aus ihren mittlerweile 8 Partnerstädten eingeladen, sich an kulturellen Beiträgen aus den verschiedensten Ländern erfreut und Pläne für die Zukunft geschmiedet. Die Corona-Lage jedoch machte ein solches Fest unmöglich.

Und doch wollte man in Muscatine dieses Jubiläumsjahr nicht einfach still vergehen lassen. So lud die Sister Cities – Organisation am Thanksgiving-Tag zu einem öffentlichen Zoom-Meeting ein. Eine digitale Reise von Muscatine nach Ludwigslust.

Nach amerikanischer Zeit am frühen Vormittag, nach deutscher Zeit am späten Nachmittag, trafen sich dann Vertreter beider Städte virtuell im Netz. John Dabeet, der Präsident der Organisation, freute sich, dass dieses Treffen zustande kommen konnte. Für ihn ist es wichtig, dass es die Organisation gibt: „Das Programm bringt Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander in Verbindung“, so Dabeet. Er wünscht sich, dass die Beziehungen weiter ausgebaut werden: Austausch und Unterstützung auf den Gebieten der Bildung und der Wirtschaft machen die Partnerschaft lebendig.

Kristin Conlon, die Sekretärin der Organisation, nutzte die Videokonferenz, den anwesenden deutschen Teilnehmern Muscatine und die Geschichte der Organisation vorzustellen. Sister Cities wurde bereits im Jahr 1986 gegründet. Sechs deutsche Einwanderer waren es, die 2002 die Aufnahme von Beziehungen zu Ludwigslust anregten und in die Wege leiteten. Eine Verbindung nach Deutschland hat eine ganz besondere Bedeutung, haben doch 35 % der Einwohner Iowas, deutsche Wurzeln. Bereits 1848 kamen im Zuge der Revolution und der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse viele Deutsche und unter ihnen besonders viele Mecklenburger nach Iowa. Deutsche haben das Land Iowa besiedelt und aufgebaut, haben Farmen gegründet und Städte errichtet. Auch die Gründung von sozialen Organisationen, von Musik- und Schützenvereinen, von Kirchen, Banken, Industrie und Geschäften, wäre ohne die Deutschen in Iowa nicht möglich gewesen. Nicht ohne Stolz verweist Kristin Conlon darauf, dass es in Iowa 16 deutschsprachige Zeitungen gibt und einer der beliebtesten Romane, die Reisebeschreibungen des Jürnjakob Swehn sind. So ist schon historisch betrachtet, die Beziehung einer Kleinstadt aus Iowa und einer mecklenburgischen Stadt etwas ganz Besonderes.

Die Ludwigsluster Gäste hingegen nahmen die Freunde aus Musctine mit auf eine Video – Reise durch Ludwigslust. So konnten sie hautnah unsere Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten und kulturellen Höhepunkten erleben. Bürgermeister Reinhard Mach kommentierte nicht nur das Video, sondern informierte die Muscatiner gleichzeitig darüber, was unsere Stadt heute ausmacht: eine junge Stadt, die eine gute Infrastruktur vorweisen kann, die 16.500 Arbeitsplätze zu bieten hat, in der es 10 Kindertagesstätten gibt und deren Einwohner stolz sind auf die kulturellen Einrichtungen wie das Kino, das Zebef und das Schloss.

Für Helmut Schapper, Präsident der Stadtvertretung war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass erst durch die politische Wende 1989 in unserem Teil Deutschlands demokratische Strukturen geschaffen wurden, die eine Partnerschaft mit einer amerikanischen Stadt erst möglich machten.

Regina Prey, selbst jahrelang Stadtvertreterin, erinnerte sich, wie der ehemalige Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmermann im Jahr 2004 einen Brief aus Muscatine erhielt mit der Frage „Wollen wir eine Patenschaft mit Muscatine?“ Die Stadtvertretung hat sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, besteht doch zwischen Ludwigslust und Muscatine eine große räumliche Entfernung. Und doch entschied man sich dafür, denn eine Patenschaft bot gerade für ehemalige Ostdeutsche die Möglichkeit, ein so weit entferntes Land und seine Menschen kennenzulernen. Regina Prey erinnerte dann an die ersten Treffen und an die gegenseitigen Besuche von Delegationen und Einzelpersonen.

Einig waren sich alle Teilnehmer: die Beziehung unserer beiden Städte wird weitergehen. Man freut sich auf die Zeit nach Corona und darauf, neue Projekte in Angriff zu nehmen; nicht nur gegenseitige Besuche stehen dann auf dem Plan sondern auch der Wunsch, einen regen Schüleraustausch zu organisieren.