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11.09.2020

Wir erinnern uns an Dieter Ueltzen

Rückblick auf sein Lebenswerk

Ueltzen
Dieter Ueltzen beim Eintrag in das "Goldene Buch" der Stadt Ludwigslust, 2009 © Stadt Ludwigslust SW

01.03.1933 - 31.08.2020

Wie kaum ein zweiter war Dieter Ueltzen mit der Musik-, Kirchen- und Stadtgeschichte in Ludwigslust verbunden. 

Dieter Ueltzen hatte bereits in seiner Kindheit einen engen Bezug zur Musik. Er erhielt schon in jungen Jahren Klavierunterricht, besuchte später in Greifswald das Seminar für Kirchenmusik und legte das Examen als B-Kirchenmusiker ab. 

Nach dem Studium wurde er 1955 in das Amt des Kantors an der Ludwigsluster Stadtkirche eingeführt. Diese Aufgabe füllte er bis in das Jahr 1994 mit großem persönlichen Einsatz aus und nahm noch lange Jahre Vertretungsaufgaben und den Organistendienst in der Stiftskirche wahr.

1956 war er maßgeblich am Umbau des Orgelwerkes der Stadtkirche beteiligt. Die Orgel wurde barockisiert, mit dem Ergebnis eines strahlenden, kräftigen und hellen Klanges.  So konnten auch moderne Orgelwerke in der Stadtkirche zum Klingen gebracht werden.

Dieter Ueltzen pflegte eine intensive Chorarbeit mit Kindern und Erwachsenen und war Katechet an der Stadtkirche. Auch einige Rundfunkaufnahmen als Solist zeugen von seinen enormen musikalischen Fähigkeiten. 

Dieter Ueltzen konnte auch weltbekannte, namhafte Künstler für Konzerte an der Stadtkirche verpflichten, so waren beispielsweise der Thomanerchor einmal und die Thüringer Sängerknaben mehrfach zu Gast in Ludwigslust. Staatlicherseits durfte für solche kirchlichen Veranstaltungen keine Werbung gemacht werden. Ueltzen und seinen Mitstreitern gelang es trotzdem, dass solche Konzerte in einer ausverkauften Kirche stattfinden konnten.

Ueltzens besondere Leidenschaft galt der Hofmusik, die zwischen 1767 und 1837 das Leben bei Hofe bereicherte. Begeistert war er vom Leben und Schaffen der Hofmusiker wie Rosetti, Sperger, Hertel und Westenholtz. Er hatte einen wesentlichen Anteil daran, dass die Werke dieser in der damaligen Zeit auch international bekannten Hofmusiker wiederentdeckt und wieder gespielt werden. 

Auch wissenschaftlich war Dieter Ueltzen engagiert. Von 1977 bis 1991 engagierte Ueltzen sich in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie. So hielt er 1995 auf einem der Kongresse der Arbeitsgemeinschaft zwei international beachteten Vorträge. Seine Leidenschaft galt den Kirchenliedern und Gesangbüchern aus alten Zeiten. Ueltzen gehörte zum Herausgeberkreis des Neuen Evangelischen Gesangbuches für Deutschland. Als Berater war er mit seinen Kenntnissen wesentlich an der Erstellung dieses Buches beteiligt. Dieses Gesangbuch wird teilweise bis heute in den Evangelischen Kirchen benutzt. 

Er war lange Jahre Mitglied der Gesamtdeutschen Liturgischen Konferenz und gehörte dem Arbeitskreis Mecklenburgische Kirchengeschichte an.

Ueltzen ist ein geschätzter Musikkritiker und veröffentlichte zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften.

Dieter Ueltzen leistete einen großen Beitrag zur Erforschung der Geschichte der Mecklenburgischen Hofkapelle und der Kantoren an der Stadtkirche. Dafür recherchierte er in alten Schriften und verbrachte so manche Stunde in staatlichen und in Kirchenarchiven. Für zahlreiche Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte stellte er sein Fachwissen zur Verfügung und vervollständigt dadurch in maßgeblicher Weise die Chronik unserer Stadtgeschichte. *1 

Für sein Wirken wurde er mit Beschluss der Stadtvertretung entsprechend der Satzung über die Ehrung verdienstvoller Persönlichkeiten auf dem Neujahrsempfang 2009 mit einem Eintrag in das „Goldene Buch“ der Stadt Ludwigslust geehrt. 

Selbst im hohen Alter war er noch aktiv. So stand er unter anderem als Zeitzeuge in den Projekten der Mahn- und Gedenkstätte in vielen Gesprächen Rede und Antwort und berichtete über die Geschehnisse der damaligen Zeit.

So berichtete er über die bewegenden Ereignisse aus der Kindheit in den Jahren 1938 bis 1945. Historische Filmaufnahmen und Fotos aus dem National Archives Washington, dem United States Holocaust Memorial Museum Washington, dem Stadtarchiv Ludwigslust und Dokumente aus der Zeit aus Privatarchiven ergänzten die Berichte, insbesondere zum Bombenangriff am 22. Februar 1945 auf Ludwigslust und zur Beerdigung der 200 Opfer des KZ Wöbbelin am 7. Mai 1945 zwischen dem Ludwigsluster Schloss und der Stadtkirche am Bassin. *2 

Vor über 50 Jahren hat Dieter Ueltzen damit begonnen, die Geschichte der Ludwigsluster Stadtkirche zu recherchieren und aufzuschreiben. 1770 wurde die damalige Hofkirche geweiht – in diesem Jahr feierte die Kirche ihr 250-jähriges Jubiläum. Zwar konnten die Feierlichkeiten aufgrund der Corona-Lage nicht stattfinden, aber das Buch „Die Stadtkirche Ludwigslust“ ist trotzdem erschienen. Auf 140 Seiten wird die Geschichte der Kirche bis zum heutigen Gemeindeleben aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Eine Grundlage dafür bilden die Recherchen von Dieter Ueltzen. *3 

Dieter Ueltzen wird in die Stadtgeschichte unserer Stadt als eine herausragende Persönlichkeit eingehen. Wir können uns nur mit Respekt und großer Dankbarkeit vor ihm verneigen.

*1 (Quelle aus der Begründung zur Ehrung für den Eintrag ins Goldene Buch 2009)
*2 Quelle Bericht zum Video - Spuren der Vergangenheit – Ludwigslust 1933 bis 1945 von der Sophie Medienwerkstatt e. V.
* 3  Quelle: https://www.svz.de/28594937 ©2020