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09.11.2018

Kirchenplatz: Stadt stellt denkmalpflegerische Zielsetzung vor

Das Herzstück in den Fokus rücken

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Matthias Proske (links) erläutert die denkmalpflegerische Zielsetzung zur Umgestaltung des Kirchenplatzes © Stadt Ludwigslust, SW

Die Stadt Ludwigslust hat zur Informationsveranstaltung eingeladen. Anwohner des Kirchenplatzes und zahlreiche interessierte Bürger waren dieser Einladung gefolgt. Bürgermeister Reinhard Mach freute sich über das Interesse, geht es doch um die Umgestaltung eines Areals, dass sozusagen im Herzen der Stadt liegt, und das der Stadt am Herzen liegt.

Bereits vor mehr als zehn Jahren gab es Versuche, den Kirchenplatz umzugestalten. Diese Versuche scheiterten damals an zu unterschiedlichen Erwartungen. Nun steht der Kirchenplatz wieder auf der Agenda. Die Stadt hat sich dabei ehrgeizige Zeitziele gesetzt. Da geht es zum einen darum, für die Sanierung des Kirchenplatzes Mittel aus der Städtebauförderung zu akquirieren. Städte werden in der Regel über einen Zeitraum von 20 Jahren gefördert. Da Ludwigslust schon sehr lange im Städtebauförderungsprogramm ist, muss die verbleibende Zeit gut genutzt werden. Das zweite Zeitziel definiert das Jahr 2020. Dann nämlich feiert die Kirche ihr 250-jähriges Kirchenjubiläum und bis dahin, so hat es Bürgermeister Reinhard Mach versprochen, soll der Kirchenplatz fertig sein.

Dazu wird derzeit parallel gearbeitet. Aufgabe der Stadt Ludwigslust ist es, die unterschiedlichsten Interessen abzuwägen und Einigung zu erzielen zwischen Anliegern, Kommunalpolitik, oberer und untere Denkmalbehörde, Geldgebern und Naturschutzbehörde.

Matthias Proske vom gleichnamigen Landschaftsarchitekturbüro arbeitet gleichzeitig an den Entwürfen für die zukünftige Gestaltung des Platzes. „Wir haben die spannende Aufgabe, das Herzstück der Stadt wieder in den Fokus zu bringen“, so Matthias Proske gleich zu Beginn seiner Präsentation des Gestaltungsentwurfs.

Historische Pläne dienen als Grundlage für die Planungen. Anhand eines sehr gut erhaltenen Planes aus dem Jahre 1836 erläuterte Matthias Proske, dass der Kirchenplatz bereits damals mit vier Baumreihen bepflanzt war und es geometrische Wegebeziehungen gab. Ziel ist es, so nah wie möglich am historischen Vorbild zu sein und gleichzeitig praktikable Lösungen zu finden, die den heutigen Lebensverhältnissen entsprechen.

Damals standen über 300 Bäume auf dem Kirchenplatz, jetzt sind es noch 90. Die Alleen sind nur noch als Restbestand erkennbar. Probleme bereiten Aushöhlungen an Bäumen, in denen sich eine geschützte Käferart, der Eremit,  eingenistet hat sowie die Standsicherheit einiger Bäume. Das in Auftrag gegebene Baumgutachten sagt aus, dass aus dem noch vorhandenen Bestand 47 Bäume gefällt werden müssen. Mit den noch verbleibenden 40 Bäumen jedoch kann keine Raumwirkung mehr erzielt werden, so Matthias Proske.

So sieht die denkmalpflegerische Zielsetzung vor, den Kirchenplatz komplett neu mit jeweils zwei Doppelalleen zu bepflanzen. 300 Linden sollen gepflanzt werden, die erste Reihe in einem Abstand von 7 m zu den Häusern. Zwischen den Allen wird es einen befahrbaren Hauptweg mit einer Breite von 3,50 m geben. Dadurch rückt der jetzige Weg weiter von den Häusern ab, für die Anlieger gibt das ein Stück mehr Privatsphäre. Die Eckbereiche werden so gestaltet, dass dort Fahrzeuge wenden oder auch mal abgestellt werden können.

Befürchtungen der Anwohner, die Bäume könnten in der Zukunft die Wohnungen verdunkeln konnte Mattias Proske zerstreuen. In der Zukunft sollen die Bäume als lockere leichte Wand vor den Häusern stehen. Dazu gibt es ein Pflegekonzept, dass in regelmäßigen Abständen einen Baumschnitt vorsieht. Dabei definiert die Traufhöhe der Häuser die Schnittkante der Bäume. So kann gesichert werden, dass Licht in die Häuser kommt.

Insgesamt hat sich die Stadt für die Umgestaltung des Kirchenplatzes eine ehrgeizige Terminkette gestellt. Bereits im Dezember diesen Jahres wird die Stadtvertretung die Denkmalpflegerische Zielsetzung auf der Tagesordnung haben, die Entwurfsplanung soll bis Januar 2019 fertig sein, im Februar könnten dann die Fällarbeiten durchgeführt werden. Von April bis Juni sind die Arbeiten der Stadtwerke geplant, denn Strom-, Gas- und Trinkwasserleitungen werden in diesem Zusammenhang gleich mit erneuert. Maßnahmen des AZV Fahlenkamp sind nicht notwendig. Der Oktober 2019 markiert die Fertigstellung des Wegebaus und im Frühjahr 2020 könnten dann die 300 jungen Lindenbäume gepflanzt werden.

Die Informationsveranstaltung brachte aber auch gute Gedanken und Vorschläge der Anwesenden hervor. Hinweise zu einer sinnvollen Gestaltung der Wegebeziehung, zum Ablaufen und Versickern des Regenwassers oder aber zur Vorgartengestaltung wurden vom Planungsbüro dankbar aufgenommen.

Bürgermeister Reinhard Mach versprach den Anwesenden, dass die Stadt Ludwigslust mit den Bürgern bis zur endgültigen Fertigstellung des Platzes weiterhin im Gespräch bleiben wird. Sylvia Wegener, Büro des Bürgermeisters, 09.11.2018